Freitag, 7. Juni 2013
BSDK und meine Psyche 2
Der 2. Teil
Mit jedem Tag der Erholung von dieser mich fast vernichtenden Chemo, kamen auch die Lebensgeister zurück. Bei einem Besuch bei meiner Hausärztin machte diese mir nun den Vorschlag, es doch mal mit einer homöopathischen Therapie zu versuchen. Was ich dann, eigentlich mehr ihr zum Gefallen getan habe. Denn was hätte da passieren können. Homöopathie ist ja eine Medizin aus nichts und das kann mir dann auch nicht schaden. Und wer weiß, vielleicht bringt es ja doch was.

Und es scheint auch tatsächlich was geholfen zu haben. Juli, August, September, es ging stetig körperlich aufwärts. Ende August war ich dann sogar 2 Tage auf der Caravan Messe in Düsseldorf. Habe große Pläne gemacht und es war alles fast wie früher.

Dann im Oktober wurde ich wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Bei einem Kontroll CT wurde ein Rezidiv vermutet. Allerdings sagten die Tumormarker was anderes. Ein CA 19.9 unter 10, da kann doch eigentlich nichts sein. Im folgenden März war es klar, das Rezidiv wurde zur Gewissheit und der Tumormarker zeigte es auch schon an, mit 120. Enttäuschung, ja irgendwie schon, oder auch nicht, denn ich wußte es doch, daß es so kommen würde. Mit der R1 Diagnose war diese Entwicklung geradezu zwingend.

Ob eine Chemo da was verbessert hätte? Sicher nicht. Zum einen hätte ich diese nicht überlebt und zum anderen kann man es hundertfach im Netz in den vielen Verlaufsberichten nachlesen. Wie die Chemo wenn überhaupt, manchmal den Krebs stoppen kann, um dann ein noch schnelleres Wachstum und Metastasen zu ermöglichen.

Was soll es, ich habe nun mal ein Ablaufdatum in einer nicht allzu fernen Zeit. Ja, was soll es, soll ich nun jammern, mich verrückt machen, mir die verbleibende Zeit selbst noch vermiesen? Sicher, jede Untersuchung, eine kleine Hoffnung auf ein Wunder, wissend das es das nicht gibt. Oder doch, ist es nicht schon ein kleines Wunder, mit dieser Krankheit so lange so gut zu leben. Auch wenn meine körperliche Leistungsfähigkeit seit Oktober, November ganz langsam aber kontinuierlich abnimmt. Ob das der Krebs ist, ob der Krebs einen Anteil daran hat und wenn welchen vermag ich nicht zu sagen. Denn andere Krankheitsbilder mit denen ich auch schon früher, vor dem Krebs zu tun hatte machen mir zusehends mehr zu schaffen.

Die Homöopathie hat sicher ihren Anteil an meiner Lebensqualität. Ob sie mein Leben auch verlängert, ich weiß es nicht. Aber wenn ich in die Statistik sehe, wenn ich mir die mir gegebene Prognose ansehe, dann scheint das ja schon gelungen zu sein.

Und was wird noch kommen? Wie schon gesagt, sterben müssen wir alle. Vielleicht ist es aber doch eine Frage nach dem WIE. Ich denke, wenn man sich mit der Tatsache erst mal abgefunden hat und nicht alles verdrängt, kann man vielleicht auch etwas vernünftiger damit umgehen. Es ist für mich eine unerträgliche Vorstellung, dereinst im Krankenhaus zu liegen, abhängig von Maschinen, nicht mehr Herrin meiner selbst zu sein. Aus diesem Grund habe ich eine ausführliche Patienten Verfügung geschrieben in der festgelegt ist, was in welcher Situation noch gemacht werden darf. Dazu habe ich mich ausführlich von einem Arzt beraten lassen.

Und, ja sicher, manchmal kommt eine kleine Träne, wenn ich an das denke, was ich noch alles tun wollte und nun nicht mehr tun kann. Auch bin ich traurig, dann nicht mehr für meine Familie da sein zu können.

Aber auf der anderen Seite brauche ich keine Angst vor dem Tod zu haben, kein Fegefeuer und kein strafender Gott oder Teufel warteten auf mich. Ich kann mich völlig angstfrei in das Nirwana begeben. Einzig das Sterben selbst kann da noch eine schmerzhafte Hürde sein. Wer sich mit aller Kraft an den traurigen Rest seines Lebens klammert, stirbt sicher viel schwerer und dieser Übergang wird zu einem Todeskampf. Ich bin von meinem friedlichen Übergang überzeugt. Auch weil ich nicht alle ärztliche Kunst in dieser Situation mehr zulasse, außer Schmerzmitteln.

Aber so weit ist es ja noch nicht und ich erfreue mich immer noch einer den Umständen entsprechend guten Lebensqualität. Sicher, mit gewissen Einschränkungen, aber das Leben macht noch Spaß und so lange das so ist, ist alles gut.

Nun ist eigentlich alles gesagt was zurzeit zu sagen ist. Was mir ein Bedürfnis war es zu sagen. Ja ich gestehe, in dem ich das alles niederschreibe, verarbeite ich selbst meine Probleme. Es ist ein Teil meiner Selbsttherapie. Aber es hilft vielleicht auch dem einen oder anderen Leser, in vergleichbarer Lage. Das würde mich freuen.

Wer dazu Fragen hat, möge Fragen, kann hier oder auch per Mail Kontakt aufnehmen. Wenn ich anderen in ihrer Situation helfen kann, so mache ich das gerne.

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